Selbstlerneinheit: Befristungen
Selbstlerneinheit: Befristungen

Herzlich willkommen!
Was du für dich mitnimmst:
- Du verstehst die rechtlichen Grundlagen von befristeten Arbeitsverträgen, insbesondere das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG).
- Du kennst die Rechte und Pflichten von Beschäftigten mit befristeten Verträgen.
- Du erkennst die Mitbestimmungsrechte und Handlungsmöglichkeiten als Betriebs- oder Personalrat im Bereich der Befristungen.
- Du gewinnst Sicherheit im Umgang mit Fragen und Anliegen von Beschäftigten zu befristeten Arbeitsverhältnissen.
Worum geht es hier?

Check-in: Was sind "Befristungen"?
Die Geschichte von Nour
Bitte hör dir die Geschichte von Nour an (ca. 2 Minuten):
Nour ist eine Grafikdesigner und freut sich riesig über den neuen Job bei einer Werbeagentur. Der Vertrag ist auf sechs Monate befristet, da die Agentur gerade einen kurzfristigen Auftrag angenommen hat und dringend Unterstützung braucht. Nours Vertrag ist sachgrundlos befristet – das geht bis zu zwei Jahre und kann bis zu drei Mal verlängert werden, solange Nour zuvor nicht schon einmal für die Agentur gearbeitet hat.
Nach sechs Monaten endet der Auftrag, und die Agentur beschließt, Nour erstmal nicht weiterzubeschäftigen. Doch kurz darauf taucht ein neuer, noch größerer Auftrag auf. Die Agentur ruft Nour zurück und bietet an, erneut für sechs Monate zu arbeiten. Alles läuft gut, und Nour erhält in den kommenden zwei Jahren tatsächlich noch zwei weitere Verlängerungen des Vertrags – immer ohne Sachgrund und stets innerhalb der maximalen Gesamtdauer von zwei Jahren.
Nach insgesamt zwei Jahren endet diese Art der Befristung für Nour. Die Agentur ist begeistert von der Arbeit und möchte Nour behalten. Doch eine weitere Befristung ist jetzt nur noch mit einem Sachgrund möglich. Dieses Mal braucht die Agentur eine Vertretung für eine Mitarbeiterin, die in Elternzeit geht. Nour springt ein, und der Vertrag wird um weitere Monate verlängert.
Nour bleibt damit ein wertvolles Mitglied des Teams und beschließt, sich nebenbei noch weiterzubilden. Ein Design-Studium scheint ideal, und Nour freut sich über die Möglichkeit, weiter Erfahrungen zu sammeln und sich gleichzeitig akademisch zu vertiefen. Nach Abschluss des Studiums wird Nour im Forschungsprojekt eines Hochschulteams eingestellt und arbeitet dort mit einem speziellen befristeten Vertrag, der an die Projektlaufzeit gekoppelt ist.
Diese Jahre im Beruf und die Regeln der Befristung prägen Nour. Die Befristungen fühlen sich an wie Treibsand: Mit jedem neuen Vertrag wird Nour für kurze Zeit herausgezogen und steht ein Stück höher, mit der Hoffnung, endlich sicheren Boden unter den Füßen zu spüren. Doch immer wieder endet die Befristung, und Nour rutscht ein Stück zurück, spürt die Unsicherheit und hofft, dass das nächste Mal ein endgültiges, stabiles Fundament gebaut wird.
Befristungen in deiner Praxis
Die Geschichte von Nour zeigt die Herausforderungen und Unsicherheiten, die befristete Arbeitsverträge mit sich bringen können. Für gesetzliche Interessenvertretungen ist es wichtig, diese Perspektive zu verstehen, um Beschäftigte in ähnlichen Situationen besser unterstützen zu können.
Reflexionsfragen:
- Welche Emotionen und Gedanken hat die Geschichte bei dir ausgelöst?
- Welche Erfahrungen hast du in deiner Praxis als Interessenvertretung mit befristeten Arbeitsverträgen gemacht?
- Warum werden in eurem Betrieb/eurer Dienststelle befristete Verträge geschlossen?
- In welchen Fällen hast du Beschäftigte in befristeten Verhältnissen unterstützt?
- Welche Rolle spielt für dich die gesetzliche Interessenvertretung bei der Beratung und Unterstützung befristet Beschäftigter?

Der Rahmen von Befristungen
Befristungen aus rechtlicher Perspektive
Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) bildet die Grundlage für die rechtliche Regelung befristeter und teilzeitiger Arbeitsverhältnisse in Deutschland. Es ermöglicht sachgrundlose Befristungen bis zu zwei Jahren und regelt Befristungen mit Sachgrund, die durch einen speziellen Grund wie z.B. eine Vertretung gerechtfertigt sind.
Ergänzend zum TzBfG gibt es weitere Gesetze mit besonderen Regelungen für Befristungen. Einige Beispiele: Das Mutterschutzgesetz (§17 MuSchG) schützt befristete Verträge schwangerer Beschäftigter in bestimmten Fällen, das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (§2 WissZeitVG) ermöglicht befristete Verträge im Forschungsbereich, und das Pflegezeitgesetz (§3 PflegeZG) erlaubt zeitlich befristete Freistellungen zur Pflege von Angehörigen. Diese Gesetze bieten ergänzenden Schutz für Beschäftigte in speziellen Lebens- und Arbeitslagen und erweitern die Regelungen des TzBfG.
Bewertung von Szenarien
Recherchiere in den Gesetzen - insbesondere im TzBfG - und bewerte folgende Szenarien:

Check-out: Dein "Call to Action"
Alle Gesichtspunkte berücksichtigen
Befristungen sind für viele Beschäftigte Alltag – oft verbunden mit Unsicherheiten. Du kannst als Interessenvertretung aktiv dazu beitragen, mehr Sicherheit und Fairness zu schaffen. Nimm dieses Wissen mit und nutze deinen Handlungsspielraum, um für gerechtere Arbeitsbedingungen zu sorgen!
Nutze die PDF-Vorlage, um deine Ideen festzuhalten. Du kannst das Dokument online bearbeiten und für dich abspeichern.
Dateien
Vergiss nicht, deine Arbeitsergebnisse abzuspeichern und mit ins Seminar zu nehmen!
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Lizenz
Diese Selbstlerneinheit steht unter der Lizenz CC BY-ND 4.0. Die Inhalte dürfen vervielfältigt und verbreitet, jedoch nicht bearbeitet oder verändert werden. Die Urheberschaft muss dabei angemessen ausgewiesen werden.
Nutzung von KI
Diese Selbstlerneinheit wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz entwickelt, beispielsweise bei der Erstellung des Videos.



